Du funktionierst, aber du spürst nichts mehr
Nach außen läuft alles, doch innerlich spürst du kaum noch etwas. Freude, Trauer, Nähe — alles wie hinter einer Glasscheibe. So ging es auch Annika, bis im morphischen Feld sichtbar wurde, was sie sich selbst so lange nicht eingestehen konnte. Und bis sie eine Entscheidung traf, die alles veränderte.
Vielleicht kennst du das: Nach außen läuft alles. Du erledigst, was ansteht, du kümmerst dich, du hältst den Laden zusammen. Niemand in deinem Umfeld würde sagen, dass etwas nicht stimmt. Und trotzdem spürst du abends, wenn es still wird, diese seltsame Leere. Als wäre da eine Wand zwischen dir und deinem eigenen Leben.
Du weißt, dass es Dinge gibt, die dich früher berührt haben. Musik, Gespräche, ein Sonnenuntergang, die Umarmung eines Menschen, der dir wichtig ist. Du erinnerst dich daran, dass du das einmal fühlen konntest. Aber wenn du ehrlich bist, registrierst du solche Momente heute nur noch, ohne dass sie wirklich bei dir ankommen. Du funktionierst, aber du lebst nicht wirklich.
Das Schwierige daran ist, dass du niemandem erklären kannst, was dir fehlt. Es gibt kein Drama, keinen offensichtlichen Grund. Es ist eher so, als hättest du irgendwann beschlossen, deine Gefühle auf leise zu stellen, weil sie sich zu groß, zu unberechenbar, zu gefährlich angefühlt haben. Und jetzt bekommst du den Regler nicht mehr zurück.
Und dann kommt dieser Moment, in dem du dich fragst: Bin ich überhaupt noch der Mensch, der ich mal war? Oder ist das hier alles, was bleibt?
Und dann kommt dieser Moment
So ähnlich ging es auch Annika. Sie rief mich an einem Donnerstagabend an, und schon bevor sie etwas sagte, hörte ich, dass ihre Stimme anders klang als sonst. Leiser und müder, als hätte sie den ganzen Tag Kraft aufgewendet und jetzt gerade die letzte Reserve verbraucht.
Sie erzählte mir, dass sie den ganzen Abend durch die Wohnung gelaufen war, obwohl es nichts zu tun gab. Die Kinder schliefen, ihr Mann war unterwegs, und sie hatte die Küche gewischt, die Wäsche zusammengelegt, die Schuhe im Flur sortiert. Nicht weil es nötig war, sondern weil sie das Stillsitzen nicht aushielt. „Wenn ich mich hinsetze und nichts tue, wird es so leer in mir“, sagte sie. „Und diese Leere macht mir Angst.“
Sie schwieg einen Moment und sagte dann, dass sie sich gar nicht mehr erinnern könne, wann sie das letzte Mal etwas wirklich gespürt habe. Freude, Trauer, Aufregung, irgendetwas. „Ich weiß, dass ich meine Kinder liebe“, sagte sie. „Aber wenn sie mich umarmen, kommt da nichts an. Ich stehe daneben und schaue mir selbst zu. Und dann schäme ich mich dafür.“
Ein Satz, der unter allem lag
Als Annika zu Ende gesprochen hatte, wurde es still am Telefon. Ich verband mich mit dem morphischen Feld. Es formte sich ein Satz, der unter allem lag, was sie mir gerade erzählt hatte. Ich teilte ihn mit ihr und bat sie, ihn laut auszusprechen: „Ich kann mir und meinen Gefühlen nicht vertrauen.“
Es dauerte einen Moment, bis sie antwortete. Dann hörte ich, wie ihr Atem stockte. „Das stimmt“, sagte sie leise. „Genau das glaube ich. Dass ich meinen Gefühlen nicht trauen kann. Dass sie mich in etwas hineinziehen, was ich nicht mehr kontrollieren kann.“
Ich fragte sie, ob wir da genauer hinschauen sollen, und sie sagte ja. Ich formulierte eine Willenserklärung für sie, Satz für Satz, und Annika sprach jeden Satz nach. Während sie die Worte sprach, wurde ihre Stimme ruhiger, und ihr Atem ging tiefer, gleichmäßiger. Beim letzten Satz spürte ich durch das Telefon eine Weichheit in ihrer Stimme, die vorher nicht da gewesen war.
Annika schloss dem dann an, dass sie an ihre Mutter denken müsse. Dass sie plötzlich das Bild vor sich habe, wie sie als Kind geweint hat und ihre Mutter sagte, sie solle sich zusammenreißen. „Ich war immer zu viel“, sagte sie. „Zu laut, zu empfindlich, zu nah am Wasser gebaut. Irgendwann habe ich aufgehört, mich gefühlsmäßig zum Ausdruck zu bringen, weil es niemand aushalten konnte.“
Intuitiv fragte ich nochmal im morphischen Feld nach, und da zeigte sich ein zweiter Glaubenssatz, der unter dem ersten lag: „Wenn ich zeige, was ich fühle, bin ich eine Last.“ Ich bat Annika, auch diesen Satz laut auszusprechen. Sie tat es, und ihre Stimme brach dabei kurz, bevor sie sich wieder fing.
Ich formulierte eine zweite Willenserklärung für diese tiefere Schicht. Annika sprach die Sätze nach, und diesmal war in ihrer Stimme etwas, das vorher nicht da gewesen war. Eine bestimmte Klarheit. Als hätte sie zum ersten Mal verstanden, dass sie ihre Gefühle nicht eingefroren hat, weil sie falsch waren, sondern weil sie gelernt hatte, dass ihr Ausdruck die Menschen um sie herum überfordert.
„Ich habe mich selbst zum Schweigen gebracht, damit die anderen es aushalten“, sagte sie dann. Und dieser Satz klang nicht wie eine Frage und nicht wie ein Vorwurf. Er klang wie jemand, der gerade begreift, was wirklich passiert ist.
Mich erreichte in der darauffolgenden Woche Annikas Rückmeldung. Ihre Tochter hatte ein Bild gemalt und es ihr feierlich überreicht, und Annika kamen die Tränen. Nicht weil sie traurig war, sondern weil sie etwas gespürt hatte, das sie lange nicht mehr kannte. „Da war ein Berührtsein, wie ich es ewig nicht mehr wahrgenommen habe“, schrieb sie. „Das war das erste Mal seit so langer Zeit, dass ich mich nicht verbissen zusammengerissen habe, und es hat sich richtig angefühlt. Es waren doch nur ein paar Tränen, aber für mich hat das einen riesigen Unterschied gemacht.“
Warum wir aufhören zu fühlen — und was dahintersteckt
Was mich an Annikas Geschichte berührt, ist, wie gut ihr Schutz funktioniert hat. So gut, dass sie selbst nicht mehr wusste, wovor er sie eigentlich schützte. Sie hatte ihre Gefühle so gründlich zum Schweigen gebracht, dass sie irgendwann glaubte, sie hätte gar keine mehr. Dabei waren sie die ganze Zeit da, unter der Oberfläche, und warteten darauf, dass ihnen wieder Raum gegeben wird.
Das erlebe ich oft in meiner Arbeit. Ein Mensch kommt zu mir und beschreibt eine innere Leere, die er sich nicht erklären kann. Er spürt, dass etwas nicht stimmt, aber er kommt allein nicht dahinter, was es ist. Im morphischen Feld wird dann sichtbar, was der Verstand allein nicht greifen konnte: ein alter Glaubenssatz, der im Hintergrund das gesamte Erleben steuert. Und manchmal liegt unter diesem Glaubenssatz noch ein tieferer, der erklärt, warum der erste überhaupt entstanden ist.
Bei Annika war es die Überzeugung, dass sie mit ihren Gefühlen eine Last für andere ist. Dieser Satz saß so tief, dass alles, was sie tat, darauf ausgerichtet war, ja niemandem zur Last zu fallen. Auch sich selbst nicht. Die Starre war keine Schwäche und kein Fehler, sie war die konsequenteste Form von Fürsorge, die Annika kannte.
Der Wendepunkt kam, als im Feld sichtbar wurde, was Annika vorher nicht greifen konnte. Zum ersten Mal konnte sie sehen, welche Überzeugung sie steuerte, und woher sie kam. Und mit dieser Klarheit konnte sie eine Entscheidung treffen, die vorher nicht möglich war, weil ihr schlicht der Zugang fehlte. In der Willenserklärung hat sie diese Entscheidung in Worte gefasst und damit das alte Muster gewürdigt und losgelassen.
Ein Schutz, der einmal richtig war
Vielleicht erkennst du etwas davon wieder. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben einen Schutz, der einmal richtig war und der heute mehr kostet, als er dir bringt. Du musst ihn nicht bekämpfen. Du darfst verstehen, woher er kommt, eine neue Entscheidung treffen und dann würdigen, was er für dich geleistet hat — und erleben, was möglich wird, wenn du dir selbst wieder erlaubst zu fühlen.
Wenn das Leben wieder zu fließen beginnt
Wenn du spürst, dass dich eine innere Starre festhält und du dich selbst kaum noch erreichst, musst du diesen Weg nicht allein gehen. In einer kostenfreien Probelesung im morphischen Feld schauen wir gemeinsam, was dich bindet und wie du wieder in Kontakt mit dem kommst, was du fühlst.
Manchmal genügt ein einziger klarer Moment, um zu verstehen, warum du dich so lange von dir selbst ferngehalten hast. Und was möglich wird, wenn du es nicht mehr tust.
Annika hat in der Sitzung eine individuelle Willenserklärung erhalten, konkret auf ihre Situation abgestimmt. Die einfache Willenserklärung hier ist allgemeiner gehalten, damit du sie direkt für dich nutzen kannst. Sie ist nicht weniger wirksam, sie ist ein anderer Zugang zum selben Prinzip: Entscheidung in Sprache.Wenn du beim Lesen gespürt hast, dass dieses Thema dich berührt, dann ist hier die einfache Willenserklärung für dich. Du kannst diese Sätze für dich sprechen, leise oder laut, und ihnen nachspüren.
Wenn du beim Sprechen der ersten Willenserklärung gemerkt hast, dass da noch etwas Tieferes liegt, das mit deinen Gefühlen und dem Zeigen deiner Gefühle zu tun hat, dann kannst du auch die zweite Willenserklärung für dich sprechen.
Franks Gedanken dazu
Viele Menschen, die zu mir kommen, beschreiben diese innere Starre, ohne zu wissen, welche Überzeugung dahintersteckt. Im morphischen Feld wird oft in wenigen Minuten sichtbar, was den Zugang zu den eigenen Gefühlen versperrt. Und wenn ein Mensch sich dann entscheidet, diese Überzeugung in einer Willenserklärung loszulassen, beginnt etwas zu fließen, das lange festsaß. Nicht auf Knopfdruck und nicht über Nacht, aber spürbar und echt.
Und drei Fragen, die ich dir mitgebe:
Was hast du über dich erkannt - welche Gefühle erlaubst du dir und welche hältst du zurück?
Was nimmst du aus dieser Erkenntnis für dich mit?
Und was wir dadurch für dich möglich?
Liebe Grüße,
Frank
Häufige Fragen
Ich habe so lange nichts gespürt — kann ich überhaupt noch fühlen?
Gefühle verschwinden nie, sie werden nur gut versteckt. Wenn du lange im Funktionieren warst, kann es sein, dass du zunächst nur Leere spürst. Das ist in Ordnung. Auch Leere ist ein Gefühl. Mit der Zeit wirst du wieder Zugang finden, Schritt für Schritt.
Ist die Willenserklärung nicht einfach Autosuggestion?
Autosuggestion sagt: Ich rede mir etwas ein. Die Willenserklärung sagt: Ich sehe, was da ist, und ich entscheide neu. Es geht nicht darum, etwas schönzureden, sondern Klarheit zu gewinnen und bewusst zu wählen.
Wie oft sollte ich die Willenserklärung sprechen?
So oft, wie es sich stimmig anfühlt. Manche Menschen sprechen sie einmal und spüren Entlastung, andere brauchen mehrere Durchgänge. Es gibt kein richtig oder falsch, nur das, was für dich passt.
Was, wenn ich nach der Willenserklärung nichts spüre — hat sie dann nicht gewirkt?
Veränderung zeigt sich nicht immer sofort. Manchmal wirkt sie leise, im Hintergrund, während du glaubst, es passiert nichts. Achte auf die kleinen Zeichen: einen tieferen Atemzug, einen Moment, in dem du etwas spürst, das du lange nicht gespürt hast, ein bisschen mehr Ruhe. Das sind die ersten Bewegungen.
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