Selbstverantwortung beginnt, wo Kontrolle aufhört

Du hast den Überblick, immer. Du bist der Mensch, auf den sich alle verlassen, und du lieferst, seit Jahren. Aber irgendwann merkst du, dass die Kontrolle dich mehr kostet als das, wovor sie dich schützen soll. So ging es auch Paul, bis im morphischen Feld sichtbar wurde, was unter seiner Kontrolle wirklich lag.


Du hast den Überblick, immer. Du weißt, was als Nächstes kommt, wer was braucht und was passiert, wenn sich niemand kümmert. Du bist der Mensch, an den sich alle wenden, wenn es eng wird, und du lieferst, ruhig und belastbar, seit Jahren. Lange hast du das für Selbstverantwortung gehalten.

Und du weißt längst, dass es dich aushöhlt.

Du hast es dir schon hundertmal vorgenommen: weniger übernehmen, mehr abgeben, mal etwas laufen lassen. Aber wenn du es dann versuchst, hält etwas in dir dagegen, eine innere Stimme, die sagt: Wenn du jetzt loslässt, geht etwas schief. Also machst du weiter, kontrollierst, hältst zusammen, nicht weil du es willst, sondern weil du nicht aufhören kannst.

Und je länger du das durchhältst, desto enger wird es. Nicht im Kalender, der war schon immer voll, sondern in dir. Du merkst, dass du abends nicht mehr runterkommst, dass du gereizt bist, wenn jemand etwas anders macht als du es geplant hast. Und dass du längst nicht mehr entscheidest, ob du kontrollierst, sondern dass die Kontrolle dich steuert.

Vielleicht kennst du das.

Wenn Loslassen keine Option ist

So ging es auch Paul.

Als er an einem Donnerstagabend anrief, klang seine Stimme nicht aufgelöst oder verzweifelt, sondern ruhig, geordnet, beinahe sachlich. Er sprach, wie jemand spricht, der gewohnt ist, Dinge zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen. Er erzählte, dass die letzten Monate anstrengend gewesen seien, dass er zu Hause und im Alltag immer mehr übernommen habe, weil es eben jemand tun müsse und weil er derjenige sei, der es am besten überblicke.

Ich hörte ihm zu und fragte wenig. Was mir auffiel, war nicht das, was er sagte, sondern wie er es sagte: jeder Satz durchdacht, kein Zögern, kein Stocken. Paul sprach über seine Erschöpfung, als würde er mir einen Projektbericht vorlegen.

Erst gegen Ende des Gesprächs veränderte sich etwas in seiner Stimme. Er sagte, er habe neulich versucht, einen ganzen Samstag lang nichts zu organisieren, einfach mal alles laufen zu lassen. Aber schon nach einer Stunde sei eine Unruhe gekommen, die er nicht zuordnen konnte, kein konkreter Gedanke, kein bestimmtes Problem, nur das Gefühl, dass irgendetwas aus dem Ruder läuft, wenn er nicht hinschaut. Er sei in der Wohnung hin und her gelaufen, habe dreimal aufs Handy geschaut, ohne zu wissen, worauf er wartet. Seine Stimme wurde dabei leiser, nicht traurig, sondern verwundert, als begegne ihm etwas, das er nicht einordnen konnte.

Was unter der Kontrolle lag

Ich verband mich mit dem morphischen Feld. Was sich zeigte, war kein einzelner Gedanke, sondern ein Muster, das Pauls Leben seit Jahren steuerte: Er hielt alles zusammen, weil er überzeugt war, dass ohne ihn nichts halten würde. Ich teilte das Muster mit ihm und bat ihn, den Kernsatz darunter laut auszusprechen: Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt.

„Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt." Paul sprach den Satz fast trocken, in derselben sachlichen Form wie den ganzen Abend. Dann fügte er hinzu: „So gesagt, klingt das fast banal. Aber ja, das stimmt."

Ich bat ihn, den Satz noch einmal zu sprechen, langsamer, und dabei nicht zu kommentieren, sondern zu hören, was der Satz mit ihm macht.

Paul sprach den Satz ein zweites Mal. Diesmal blieb er kurz stehen, atmete einmal, sprach weiter. Es wurde still. Die Sachlichkeit, mit der Paul den ganzen Abend gesprochen hatte, brach nicht zusammen, aber sie wurde dünner, durchlässiger.

Ich fragte Paul, ob er bereit sei, eine Willenserklärung zu sprechen. Paul schwieg einen Moment. Dann sagte er: Ja.

Ich gab ihm die Sätze vor, einen nach dem anderen, und Paul sprach nach. Am Anfang sprach er noch so, wie er den ganzen Abend gesprochen hatte, gefasst und konzentriert. Aber mit jedem Satz wurde seine Stimme weicher. Als er den letzten Satz gesprochen hatte, blieb eine Stille, die anders klang als alles, was vorher in diesem Gespräch gewesen war.

Dann sagte Paul, leiser als vorher: „Da ist noch etwas. Es geht nicht nur um die Kontrolle. Wenn ich loslasse, habe ich Angst, dass alles wegbricht, alles, was ich aufgebaut habe, alles, woran die anderen sich festhalten." Ich hörte, was unter seinen Worten lag: Angst davor, alles zu verlieren, wenn er loslässt.

Paul wollte auch dafür eine Willenserklärung sprechen. Er sagte es, bevor ich fragen konnte. Ich gab ihm die Sätze vor, und Paul sprach nach. Sein Atem wurde langsamer, gleichmäßiger, und am Ende war da etwas, das vorher nicht da gewesen war: eine Stille, die nicht angespannt klang, sondern offen.

Nach einer Weile hörte ich seine Stimme, klar und ruhig: „Die Kontrolle war nie die Lösung. Sie war nur meine Art, vor der Angst wegzulaufen."

Wenn die Hände kurz vom Steuer dürfen

In einem unserer folgenden Gespräche kam Paul auf einen Moment am Wochenende zurück. Er erzählte, dass etwas passiert sei, das ihn selbst überrascht habe. Seine Frau hatte vorgeschlagen, den Sonntagsausflug zu planen, und er habe gesagt: Mach du das mal. Nicht als Test, nicht mit dem Hintergedanken, es nachher doch anders zu machen, sondern weil es ihm in dem Moment nicht wichtig war, wohin genau sie fahren würden, sondern nur, dass sie zusammen unterwegs sind. Sie seien dann irgendwohin gefahren, an einen See, den er nicht kannte, und er habe im Auto gesessen und aus dem Fenster geschaut und zum ersten Mal seit langer Zeit gespürt, dass nichts auseinanderfällt, wenn er die Hände vom Steuer nimmt. Er habe sich nicht einmal Gedanken gemacht, ob sie richtig abgebogen sind. Es sei einfach gut gewesen.

Selbstverantwortung heißt nicht noch mehr übernehmen

Paul hatte jahrelang alles zusammengehalten, und er hatte es gut gemacht, so gut, dass niemand in seinem Umfeld auf die Idee gekommen wäre, dass irgendetwas nicht stimmt. Was sich in unserer gemeinsamen Arbeit zeigte, war, dass die Kontrolle nie das eigentliche Thema war. Sie war nur der Deckel auf etwas, das er nicht fühlen wollte: die Angst, dass ohne ihn alles auseinanderfällt. Und solange er kontrollierte, musste er dieser Angst nie begegnen. Das ist das Paradoxe daran: Die Kontrolle hielt ihn zusammen, aber sie hielt ihn eben auch fest.

Manchmal liegt das, was uns die Freiheit kostet, nicht in dem, was uns von außen auferlegt wird, sondern in dem, was wir uns selbst nicht erlauben loszulassen. Vielleicht erkennst du dich darin wieder.

 

 

Was wäre, wenn Loslassen kein Verlust ist?

Wenn du spürst, dass hinter deinem Bedürfnis nach Kontrolle etwas liegt, das du allein nicht greifen kannst, lade ich dich zu einer kostenfreien Probelesung im morphischen Feld ein. Ich, Daniel oder Sandra aus meinem Team schauen gemeinsam mit dir, was darunter liegt: das, was bisher nicht bewusst war und trotzdem im Hintergrund gewirkt hat.

 

 

Hier für dich: zwei einfache Willenserklärungen zum selbst sprechen

Wenn du beim Lesen dieser Geschichte etwas gespürt hast, das dir bekannt vorkommt, dann sind hier die beiden einfachen Willenserklärungen für dich. Paul hat in der Sitzung jeweils eine individuelle Willenserklärung erhalten, die im Feld auf ihn zugeschnitten war. Bei ihm zeigte sich nicht ein einzelner Glaubenssatz, sondern ein ganzes Muster und darunter eine Angst — beides ist möglich, das Feld zeigt, was wirklich da ist. Die einfachen Willenserklärungen hier sind allgemeiner gehalten, damit du sie direkt für dich nutzen kannst. Sie sind nicht weniger wirksam, sie sind ein anderer Zugang zum selben Prinzip: Entscheidung in Sprache. Du kannst die Sätze für dich sprechen, leise oder laut, und ihnen nachspüren — und dabei wahrnehmen, was in deinem Körper passiert: ob sich etwas zusammenzieht oder weiter wird, ob dein Atem sich verändert, ob Wärme aufsteigt oder Schwere nachlässt. Das sind keine Nebensachen, das ist dein Körper, der dir zeigt, dass die Worte ankommen.

 

Ich sehe und spüre mein Muster » Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt « … und ich bin bereit, hinzusehen.

Ich würdige mein Muster » Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt « … und ich lasse diese Empfindungen zu.

Ich nehme mein Muster » Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt « dankbar an … und ich bin gleichzeitig in Liebe mit mir … und ich verzeihe mir … und ich bin nachsichtig mit mir.

Und ich übergebe mein Muster » Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt « an mein liebendes Herz, zur Heilung und Transformation.

Hier und jetzt entlasse ich mich aus diesem Kontrollmuster. Jetzt.

Liebes altes Muster » Ich muss alles unter Kontrolle haben, damit nichts auseinanderfällt « — ich sehe dich und ich würdige dich. Du hast mich lange begleitet und mir Halt gegeben. Dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Nun habe ich erkannt, dass ich dich nicht mehr brauche und mich für einen neuen Weg entschieden. Deswegen entlasse ich dich wieder aus der Rolle, die ich dir zugeteilt hatte. Du bist nun frei von mir und ich bin frei von dir. Du kannst nun gehen. Jetzt. Danke.

 

Wenn du beim Sprechen der ersten Willenserklärung gespürt hast, dass da noch mehr in Resonanz geht — dann ist hier die zweite Willenserklärung für dich.

 

Ich sehe und spüre meine Angst, alles zu verlieren, wenn ich loslasse … und ich bin bereit, hinzusehen.

Ich würdige meine Angst, alles zu verlieren, wenn ich loslasse … und ich lasse diese Empfindungen zu.

Ich nehme meine Angst, alles zu verlieren, wenn ich loslasse, dankbar an … und ich bin gleichzeitig in Liebe mit mir … und ich verzeihe mir … und ich bin nachsichtig mit mir.

Und ich übergebe meine Angst, alles zu verlieren, wenn ich loslasse, an mein liebendes Herz, zur Heilung und Transformation.

Hier und jetzt entlasse ich mich aus dieser Angst. Jetzt.

Liebe alte Angst, alles zu verlieren, wenn ich loslasse — ich sehe dich und ich würdige dich. Du hast mich lange begleitet und mir Halt gegeben. Dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Nun habe ich erkannt, dass ich dich nicht mehr brauche und mich für einen neuen Weg entschieden. Deswegen entlasse ich dich wieder aus der Rolle, die ich dir zugeteilt hatte. Du bist nun frei von mir und ich bin frei von dir. Du kannst nun gehen. Jetzt. Danke.

 

 

Franks Gedanken dazu

Was Paul erlebt hat, begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder: Menschen, die alles zusammenhalten, alles überblicken, alles steuern, und die irgendwann merken, dass die Kontrolle sie mehr kostet als das, wovor sie sie schützen soll. Der schwierigste Moment ist nicht der, in dem die Kraft nachlässt, sondern der, in dem sichtbar wird, was unter der Kontrolle liegt — die Angst, dass ohne sie alles auseinanderfällt. Und genau dort beginnt Selbstverantwortung: nicht darin, noch mehr zu übernehmen, sondern darin, sich dem zu stellen, wovor man meint, sich schützen zu müssen. Ohne diesen Schritt bleibt Kontrolle der Käfig, der Freiheit verspricht.

Und drei Fragen zum Thema Kontrolle und Loslassen, über die du gerne reflektieren kannst:

  • Wann hast du das letzte Mal versucht, die Hände vom Steuer zu nehmen — und wie lange hat es gedauert, bis die Unruhe kam?

  • Was lernst du dadurch über dich?

  • Was wird möglich, wenn du dir erlaubst loszulassen?

Liebe Grüße,

Frank

 

 

Was vielleicht noch in dir nachklingt …

  • Ist Kontrolle nicht einfach Verantwortung — also etwas Gutes?

    Verantwortung und Kontrolle sehen von außen oft gleich aus, fühlen sich aber von innen sehr unterschiedlich an. Verantwortung lässt dich atmen. Kontrolle hält dich angespannt. Der Unterschied wird sichtbar, wenn du versuchst loszulassen. Wenn dabei eine innere Stimme sagt, dass etwas schiefgeht, wenn du die Hände vom Steuer nimmst, dann ist das nicht Verantwortung, sondern eine Angst, die sich als Verantwortung verkleidet hat.

  • Wie erkenne ich, ob meine Kontrolle mich längst mehr kostet als sie mir bringt?

    Achte auf vier Zeichen. Erstens: Dein Körper. Bist du abends noch angespannt, wenn du dich hinsetzt? Zweitens: Deine Beziehungen. Reagierst du gereizt, wenn jemand etwas anders macht, als du es geplant hast? Drittens: Deine freie Zeit. Kannst du sie genießen, oder brauchst du ständig eine Aufgabe? Viertens: Deine Fähigkeit, Hilfe anzunehmen. Fällt es dir schwer, etwas abzugeben? Wenn du bei mehreren dieser Punkte nickst, ist es wahrscheinlich Zeit, genauer hinzuschauen.

  • Muss ich befürchten, dass mein Leben nach der Arbeit mit dem Feld chaotisch wird?

    Nein. Was sich verändert, ist nicht, ob du noch Verantwortung übernimmst, sondern warum. Paul hat nach unserer gemeinsamen Arbeit nicht aufgehört, die Dinge zu regeln. Er musste sie nur nicht mehr zwanghaft festhalten. Seine Frau hat einen Sonntagsausflug geplant, und er konnte sich daneben setzen und aus dem Fenster schauen. Das ist kein Chaos. Das ist Freiheit innerhalb deiner Verantwortung. Die Dinge werden weiterhin getan, aber nicht mehr aus Angst.

 

 

Einmal pro Woche ein neuer Weg in die Leichtigkeit — direkt in dein Postfach

Wenn dich Pauls Geschichte berührt hat, lade ich dich ein: Ich schicke dir jeden Sonntagmorgen eine neue Geschichte aus meiner Arbeit mit dem morphischen Feld — als kleiner Impuls für den Tag, mit einer einfachen Willenserklärung zum Sprechen und drei Fragen zum Nachspüren. Jederzeit wieder abbestellbar.

 

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